Pushbacks & Antworten

Aktuell bewegen wir uns eher in Ignorance is Bliss statt einem verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Geräten. Finde Inspiration in unserer Liste von Pushbacks und Antworten und hilf mit, Eltern, Lehrer, Schulen, Politik, Jugendorganisationen und -Vereine zu sensibilisieren.

«Mein Kind darf nicht das einzige ohne eins sein, sonst wird es ausgeschlossen!»

Erstens: Sicherstellen, dass das Kind nicht das einzige ist. Sprich über das Thema und Deine Bedenken. Es gibt viele Eltern, die sich Gedanken machen.
Zweitens: Welche Botschaft vermitteln wir unserem Kind mit solch einem Statement in Bezug auf Gruppenzwang? Wenn es alle anderen tun, tu es auch? Also, auch gefährliche Challenges machen oder E-Zigaretten kaufen?

«Was ist mit der WhatsApp-Gruppe der Freunde meines Kindes?»

Die Forschung zeigt, dass WhatsApp-Gruppen mehr Schaden als Nutzen bringen. Das National Center on Sexual Exploitation in den USA hat WhatsApp als “primären Ort für Grooming, Sextortion, Material über sexuellen Kindesmissbrauch [und] Sexhandel” bezeichnet. Wenn Du aber wirklich möchtest, dass Dein Kind einer WhatsApp-Gruppe angehört, kann diese über einen Familiencomputer aufgerufen werden.

Dirtydozenlist, 2022
«Aber so kommunizieren sie heute!»

Ja, mit verheerenden Folgen. Wir alle haben Teenager gesehen, die nebeneinandersitzen und die soziale Interaktion im Internet dem persönlichen Kontakt vorziehen. Innerhalb von 10 Jahren sind wir von einer offline-Kindheit zu einer online- bzw. Geräte-Kindheit übergegangen.

Woher kommt der Druck bei Social Media?

Social Media rufen das Gefühl von FOMO (fear of missing out) hervor. Wir sollten Kindern und Jugendlichen beibringen, das Gegenteil zu kultivieren – JOMO (joy of missing out), also die Freude, etwas zu verpassen. Denn in einer Welt, in der Inhalte exponentiell wachsen, ist es unmöglich geworden, nichts zu verpassen.

«Aber mein Kind braucht ein Smartphone für Zugfahrkarten!»

Das muss nicht so sein. Klar, diese Dinge können das Leben bequemer machen. Aber ist diese Bequemlichkeit unsere oberste Priorität? Es wäre ja auch bequemer, wenn mein Sohn selbst mit dem Auto zum Turnen fahren würde, aber wir glauben nicht, dass das irgendein Elternteil in Betracht ziehen würde…

Sind wir als Eltern nicht einfach schlechte Vorbilder?

In der Schule lernen Kinder, digitale Geräte zu nutzen. Zu Hause ist es daher sicher gut, auf seine eigene Telefonnutzung zu achten, insbesondere in Gegenwart von Kindern. Denn Kinder kopieren uns Erwachsene. Wir empfehlen, bildschirmfreie Tage einzulegen und das Telefon manchmal zu Hause zu lassen, wenn Du ausgehst. Was für ein Gefühl von Freiheit!

«Aber in der Schule arbeiten die Kinder ja auch mit Technologien.»

Ja, sie bekommen Zugang und erlernen schrittweise, wie man die Geräte als Tools nutzen kann. Für uns müssen die Kinder eng begleitet werden, vor allem auch bei Klassenchats. Man darf sich auch fragen, ob ein Klassenchat via Teams schon ab der 5. Klasse sinnvoll ist. Auch finden wir, dass die vermehrt sitzende Gesellschaft durch die Schularbeit am PC/iPad zu früh anfängt und zementiert wird. Wenn die Kinder in der Schule schon 3 Stunden mit digitalen Geräten arbeiten, und nach der Schule nochmal 2 Stunden Screen Time bekommen, so sind das 5 Stunden am Tag – also etwa ein Drittel der Zeit, die ein Heranwachsender wach ist.

Können Kinder mit einem Smartphone sich selbst regulieren? Wenn ja, ab welchem Alter?

Nein, denn Gehirne in der Entwicklung und Reifung sind anfälliger («all gas and no brake»). So ist der präfrontale Kortex im Gehirn bei Männern erst im Alter von 25 Jahren vollständig entwickelt und bei Frauen rund zwei Jahre früher. Smartphones ab 25 ist natürlich illusorisch. Aber wir möchten unseren Kindern helfen, einen gesunden Umgang mit den Geräten zu erlernen, während bei ihnen die Bremse noch nicht voll entwickelt ist.

Maturation of the adolescent brain, 2013
Was ist mit Kindersicherungen?

Selbst die technisch versiertesten Eltern haben Probleme mit der Kindersicherung (parental control). Manche Apps erfordern Updates von Hunderten von Einstellungen, um sie altersgerecht zu machen. Und selbst wenn das Telefon des Kindes über eine Kindersicherung verfügt, ist dies bei Freunden möglicherweise nicht der Fall, sodass den eigenen Kindern eventuell trotzdem unangemessene Inhalte gesendet werden. Und für Teens gibt es Wege drumrum (factory reset, VPN software, hacking des WLAN Routers, Merken der Codes der Eltern, etc.)

Sollten wir uns nicht dafür einsetzen, dass die Big Tech zur Verantwortung gezogen wird?

Ja, aber das muss ein «sowohl als auch» sein. Dennoch wünschen wir uns mehr Regulierung von Big Tech und insbesondere Social Media-Unternehmen. Wir befürworten striktere staatliche Richtlinien und Vorschriften. Für die zukünftigen Generationen.

Was tun wir, wenn unsere Kinder sagen, dass sie sich ausgeschlossen fühlen oder gar gemobbt werden?

– Kollektiv handeln
– Leihtelefon für die Familie installieren
– Brick-App
– Elternbriefe an die Schule schreiben. Klare Regeln für alle.